Keine Chance für das Dunkel

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Unter der Leitung von Chris Wegel hat das Städtische Orchester eine Reise zu den Sternen unternommen. Unter der Leitung von Chris Wegel hat das Städtische Orchester eine Reise zu den Sternen unternommen. Foto: -uss

Seit Januar habe das Orchester unzählige Stunden geprobt, verrät die junge Moderatorin dem Publikum in der bis auf den allerletzten Platz besetzten Aalener Stadthalle.

   Es hat sich gelohnt. Die musikalische Reise durch das All am Sonntagabend war ein reines Vergnügen.

   Gleich zum Auftakt meint man den beißenden Geruch von durchdrehendem Gummi auf heißem Asphalt zu riechen. Mit der „Overture in Five Flat“ von Julie Giroux tritt Dirigent Chris Wegel das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Volles Rohr mit großem Gebläse - was für ein fulminanter Einstieg in das Frühjahrskonzert des Städtischen Orchesters.

   82 Musikerinnen und Musiker zählt es zur Zeit. Eine Menge Holz, um höchst gepflegten Radau zu machen. Dieser vielzylindrige Hochleistungsmotor kann indes auch schnurren wie ein Kätzchen. Beispielhaft in Rossano Galantes „Journey to the Stratosphere“, die ganz sanft im Dunkel des Weltalls verklingt.

   Dieses kontrastreiche Aufeinandertreffen von zartlyrischen Farbtupfern und mächtigen Tutti ist im Grunde das Markenzeichen des Orchesters. Wie dessen Leiter sein vielköpfiges Ensemble, das ja in erster Linie aus Spaß an der Freud und nicht aus kommerziellem Interesse spielt, zu einer wie geschmiert funktionierenden Einheit getrimmt hat, macht einen wirklich Staunen.

   Ganz subjektiv empfunden, liefert es an diesem Abend sein Meisterstück mit zwei Sätzen aus der zwischen 1914 und 1917 entstandenen Suite „The Planets“ des Briten Gustav Holst ab. Martialisch, drohend, unerbittlich vorwärts schreitend „Mars, the Bringer of War“; farbenreich in Klang und Themen mit ausgefeilten dynamischen Effekten „Jupiter, the Bringer of Jollity“ (Fröhlichkeit).

   „Music from Space“ von Otto M. Schwarz interpretiert Wegel mit seiner Truppe als Hymne an die Raumstation ISS. Sie nähert sich aus der Tiefe des Raumes, in dem sie, begleitet von Tenorsaxophon-Koloraturen, auch raffiniert orchestriert wieder verschwindet. Diese präzisen Ende, im raumgreifenden Dirigat von Chris Wegel ohne großen Firlefanz angezeigt, sind bei diesem großen Apparat ohnehin schon ein Vergnügen für sich.

   Großer Jubel im Publikum gleich nach der Pause. Warum? Einer aus der Schlagwerkerriege bringt ein Lichtschwert mit. Klar: die „Star Wars Saga“ von John Williams. Das Orchester entfesselt ein symphonisches Feuerwerk, das der dunklen Seite der Macht keine Chance lässt.

   Und so geht’s weiter. Die von André Becker arrangierte Suite „Captain Future“ von Christian Bruhn zu einer Zeichentrickfilm-Serie aus den Achtzigerjahren spielt das Orchester stürmisch als optimistische Ansage an die Zukunft.

   Geht das - ein „Queen“-Hit ohne E-Gitarre, fragt die Moderatorin, als sie „Don’t stop me now“ ankündigt. Sie meint, ja. Das Arrangement von Sawako Yamazato bleibt zwar so nahe wie möglich an Freddie Mercurys Original - aber ohne E-Gitarre wirkt es zahnlos.

   Zum letzten Stück „NDWeltall“, einem Medley aus Hits der Achtzigerjahre, kann Dirigent Wegel dessen Komponisten Martin Rosengarten begrüßen. Die Uraufführung verfehlt ihre Wirkung nicht. Plötzlich fühlt man sich „völlig schwerelos“.

   Mit zwei Zugaben verabschiedet sich das Orchester. Der Marsch „Astronauten“ zeigt, dass es die Wurzeln der Blasmusik nicht verlernt hat, während es sich mit Bette Middlers Megahit „From a distance“ wieder mit Schmackes auf der Höhe der Zeit präsentiert.

 

Wolfgang Nußbaumer

(01.05.23)            

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