Thomas Jennefelt
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Foto: Marcus Garder
Der mit 5000 Euro dotierte Preis der Europäischen Kirchenmusik 2026 geht an Thomas Jennefelt. Die Stadt Schwäbisch Gmünd zeichnet den schwedischen Komponisten damit für seine künstlerische Arbeit aus, in der er aktuelle, gesellschaftspolitische Themen mit traditionell geistlichen Texten und Genres in einer eigenen Tonsprache verbindet und umsetzt. Das Preisträgerkonzert findet am Donnerstag, 23. Juli, um 20 Uhr im Rahmen des 38. Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd (17. Juli bis 9. August) statt.
Der Chor Vokalharmonin, ein herausragendes schwedisches Vokalensemble unter der Leitung von Prof. Frederik Malmberg, präsentiert Kompositionen Jennefelts, darunter „In der Nähe“ (Uraufführung) und „Dixit Dominus“, das in der zweiten Konzerthälfte Händels „Dixit Dominus I“ gegenübergestellt wird. Darüber hinaus erklingen Werke schwedischer Komponistinnen und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Anschluss überreicht Oberbürgermeister Richard Arnold Thomas Jennefelt den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2026. Die Laudatio hält Klaus-Martin Bresgott (EKD Berlin).
Thomas Jennefelt schreibt nach eigenem Bekunden keine dezidiert „religiöse Musik“. Sein vielfältiges Werk zeigt ein vokales Profil, bei dem Wort und Ton eng miteinander in Beziehung stehen. Dabei sind jedoch spirituelle Bezüge auf die kirchenmusikalische Tradition maßgeblich, wie beispielsweise in Jennefelts „Dixit Dominus“ und seinem Musiktheater „Paulus“.
Thomas Jennefelt, geboren 1954, studierte von 1974 bis 1980 Komposition am Royal College of Music in Stockholm unter anderem bei Gunnar Bucht und Arne Mellnäs. Der deutliche Fokus in seinen Werken liegt auf vokalen Kompositionen. Ein frühes, erfolgreiches Werk ist „Warning to the Rich“, das seit seiner Uraufführung 1977 weltweit aufgeführt wird. Zu seinen weiteren anerkannten Chorwerken zählen „O Domine“ und „Dichterliebe (I–X)“, sowie die a-cappella-Suite „Villarosa Sequences“, gesungen in einer selbst erfundenen, latinisierend klingenden Sprache.
Viele seiner Werke haben internationale Popularität erlangt, mit ihrer charakteristischen Fülle an Chorfarben, oft untermalt von einem regelmäßigen Puls und sich wiederholenden Rhythmen. Thomas Jennefelts Musik ist nicht eindeutig minimalistisch, aber seine Ausdrucks- und Kompositionsmittel sind oft auf ein präzises Minimum reduziert. Diese Art der Konzentration, mit ihrer gesteigerten Sensibilität für das Wesentliche, verleiht seiner Musik eine ganz eigene Direktheit. Jennefelt hat konsequent nach dieser Einfachheit gestrebt und sich dabei an Prinzipien orientiert, die in Wirklichkeit eher mit dem amerikanischen Modernismus als mit dem strengeren, stilistisch konservativen mitteleuropäischen Modernismus verwandt sind.
Jennefelts facettenreiche und stimmlich einfühlsame Kompositionen eignen sich besonders gut für Musikdramen. Zu seinen bekanntesten Opern zählen „Albert och Julia“, das abendfüllende Werk „Gycklarnas Hamret“ (Der Hamlet der Narren), die Kammeroper „Farkosten“ (Das Schiff), für die er sein eigenes Libretto schrieb, sowie mehrere andere Musikdramen für Orchester unterschiedlicher Größe. Außerdem schrieb er das Musik-Theater „Paulus. Das ängstliche Harren der Kreatur“ nach einem Libretto von Christian Lehnert, ein Werk, das im Auftrag des Kulturbüros des Rates der EKD entstand.
Thomas Jennefelt ist Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie und seit 2004 deren Vizepräsident. Im Jahr 2001 wurde ihm die königliche Litteris-et-artibus-Medaille verliehen. Von 1994 bis 2000 war er Vorsitzender der Gesellschaft Schwedischer Komponisten.
www.thomasjennefelt.se
Info: Der Kartenvorverkauf für den 23. Juli sowie alle Veranstaltungen des Festivals, das in diesem Jahr unter dem Motto „Balance“ steht, beginnt am Freitag, 27. März. Weitere Informationen unter www.kirchenmusik-festival.de