Ein Barde zum Anfassen Empfehlung
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Chris de Burgh in seinem Element: Singen und spielen.
Fotos: Holger Bewersdorf
Mit weitgehend handgemachter Musik hat ein Singersongwriter der alten Garde zum Abschluss des Kapfenburg-Festivals nochmals ein ausverkauftes Schloss in harmonische Stimmung versetzt.
Auf der Gitarre und am Piano hat sich Chris de Burgh mutterseelenallein auf der großen Bühne durch seine Hits und zahlreiches weiteres Liedgut begleitet. Vor ihm im Schlosshof stand ihm allerdings ein riesiger Chor aus vorwiegend weiblichen Stimmen zum Mitsingen zur Verfügung.
„Bei dieser Tournee geht es darum, dass ich mich an meine Anfänge zurückerinnere, als ich solo zu Gitarren- oder Klavierbegleitung auftrat“, hat der sanfte Barde von der grünen Insel erklärt, bevor er sich zu seiner Jubiläumstour „50LO“ aufgemacht hat. Seit 50 Jahren ist er im „Music-Business“ unterwegs. Mit sechs Jahren habe er angefangen, kokettiert er mit seinem Alter.
Chris de Burgh hat inzwischen 76 Jahre auf dem Buckel. Was ihn nicht daran hindert, mit seiner Gitarre zwischen den große Lautsprechern hin und her zu düsen. Wie schon Wolfgang Niedecken mit BAP begibt sich der Sänger auf eine Zeitreise durch sein Liedschaffen. Allerdings besteht er nicht darauf, dass kein Song jünger als 40 Jahre sein darf. Da könnte er zwar mit „Flying“ (1974) locker mithalten. Er setzt jedoch auf seine diversen Hits. Für „Missing you“ greift er zur Gitarre, nachdem er bei den ersten beiden Titeln in die Tasten gegriffen hat, um zu versichern „I cannot sleep tonight“. Wie auch. Bei diesem Publikum. Für dessen herzliche Resonanz bedankt er sich immer wieder.
„Sailing away“ ist eines dieser Lieder, in denen der Barde sein großes Talent für süffige Melodien beweist. Im vergangenen Jahr hat er „It’s never to late“ mit ausgedehntem „La-la, la-la-la-la“-Refrain komponiert. Weitere Gelegenheit, lautstark mitzusingen, damit der kleine Mann auf der Bühne seine Kopfstimme mal schonen kann. Wieder am Piano intoniert er „It’s me“. Nicht wenige Künstler nennt er als seine Vorbilder. Besonders angetan hat es ihm Elvis Presley. Dessen Titel „Always on my mind“ mag er sehr. Das hört man in seiner Interpretation. Er besingt noch einen „Candlestick“ und zur „Moonfleet Bay“ beginnen fünf Laternen zu flackern. „On this day“ hat er mit den „Swiss Gospel Singers“ aufgenommen. Diese Truppe konnte er nicht bringen. Ihren Sound schon. Der dröhnt als „Playback“ aus den Boxen. Ein akustischer Schönheitsfehler dieses Konzerts, auf den Chris de Burgh angesichts seiner Qualitäten als Solist gut hätte verzichten können.

Viele seiner Songs sind autobiografisch geprägt, oder von aktuellen Ereignissen angestoßen. „Im Krieg sind es immer die Kinder, die die Opfer sind, Wir müssen die Kinder schützen!“, liest er auf deutsch von einem Blatt ab; singt „The simple truth“ (A child is born), holt eine ukrainische Flagge und drapiert sie auf seinem Flügel. Große Zustimmung aus dem Publikum! Auch als er mit den Mullahs im Iran abrechnet, die den Frauen vorschreiben würden, was sie tragen dürften. „Das Recht aller Frauen auf Bildung und Freiheit“, fordert Chris de Burgh. „Tragen Sie, was sie wollen“.
Er streift mit einem Titel noch sein Musical „Robin Hood“, und landet schließlich bei seinen Klassikern „High on Emotion“ und der „Lady in Red“. Da weiß die flotte Bürgermeisterin von Lauchheim, dass sie ihr rotes Kleid zurecht angezogen hat. „Africa“ von „Toto“ und „Pretty Woman“ kommen bei den Fans, die schon lange vor die Bühne geströmt sind, bestens an. Nach gut zwei Stunden verabschiedet sich der Mann von der Insel von seinen Fans. Und damit ist auch das Festival 2025 Vergangenheit.
Wolfgang Nußbaumer
(04.08.2025)