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Gemeinsam unterwegs mit okzitanischer Poesie: Sophie Cavez, Juliette Minvielle und Baltazar Montanaro. Gemeinsam unterwegs mit okzitanischer Poesie: Sophie Cavez, Juliette Minvielle und Baltazar Montanaro. Fotos: Hientzsch

Blaues Licht gibt dem Chorraum der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd ein mystisches Flair. Eine optische Einladung, einzutauchen in ein musikalisch-sinnliches Erlebnis der ganz besonderen Art.

   Unter den großen Konzerten des Festivals Europäische Kirchenmusik kann in diesem Gotteshaus ein kleiner Edelstein wieder besonders hell funkeln. Das „Trio Saraï“ aus Frankreich macht sein Publikum mit okzitanischer Dichtung vom Mittelalter bis in die Gegenwart in eigenen Vertonungen bekannt.

   Schon die Zusammensetzung der Gruppe ist klanglich apart. Die charismatische Sängerin Juliette Minvielle bedient noch ein ausgeklügeltes Percussioninventar; Sophie Cavez entlockt ihrem diatonischen Akkordeon herrlich perlende Läufe und Akkorde, während Baltazar Montanero auf seiner großvolumigen Bariton-Violine das Programm steuert.

   Das Trio steht in der Tradition der Troubadoure des Mittelalters. Minnesang von feinster Art, mal melancholisch, mal freudig bewegt, mal zum Tanz einladend, mal meditativ. Es eröffnet den Liederreigen mit einem lebensfrohen Gedicht der 1983 geborenen Aurélia Lassaque: „Pantais“ (Fantasie). Fantasie ist auch weiterhin gefragt. Der Wille und die Fähigkeit, zu den Weisen des Trios im Kopf seine eigene Bilderwelt zu schaffen. Zu Wort kommen ausschließlich Frauen. Bis auf eine Ausnahme. Der virtuose Saitenmann zeichnet für das Titellied „Saraï“ verantwortlich.

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   Zwar erläutern Montanero und die Sängerin den Inhalt der Stücke, wie das zentrale „Na Maria“ (Herrin Maria) von Beatritz de Romans, in dem deren „Weisheit und große Schönheit“ gewürdigt werden mit der Bitte „um Eures Rufes willen niemals einen trügerischen Verehrer zu lieben.“ Doch entscheidend ist an diesem exquisiten Abend die Sprache der Musik. So nah sie mitunter den Klängen einer fernen Vergangenheit kommen möchten, sind die Melodien fast immer mit einer Prise französischer Chansonkultur überpudert.

   Mit hoher Empathie musiziert sich das Trio sinnenfroh durch aktuelle und traditionelle Poesie, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzuhören und auch zuzusehen. Wie Juliette Minvielle auf Tambourin, Triangel und diversen anderen Perkussionsinstrumenten den Rhythmus schlägt (sogar das eigene Dekolleté muss als Resonanzraum mitspielen), wie Montanaro seine Violine in ein Zupfinstrument verwandelt und Sophie Calvez auf ihren Knöpfen den klanglichen Kosmos einfängt - einfach hinreißend. Viel zu schnell vergeht die Zeit, bis das Trio zum Abschied dem Publikum einen kleinen musikalischen Kuss zuwirft. Hörbar küsst der Geiger dazu den Bauch seiner Violine. Für den reichen Beifall des begeisterten Publikums bedankt sich das „Trio Saraï“ mit einer reizenden Zugabe.

Wolfgang Nußbaumer 

(02.08.2025)

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