Die Soundmaschine kann's auch sanft

In den Reihen des OJO sitzen hervorragende Solisten wie der Altsaxophonist Martin Sandel. In den Reihen des OJO sitzen hervorragende Solisten wie der Altsaxophonist Martin Sandel. Fotos: -uss

Ein harter Schlagabtausch, dass die Felle bellen; eine Ballade, die einen lachen und weinen lässt; funkiger Soul aus brillanten Kehlen und eine Bigband als Synonym für „Energie pur“.

   „What a wonderful world“ – das proppenvolle Foyer des Peutinger-Gymnasiums in Ellwangen am Sonntagabend.„Viel Spaß“ haben die vier Proben mit dem „Ostalb Jazz Orchestra“ Thilo Wolf gemacht. Ein Spaß, der sich ungefiltert mitteilt. Noch nie lief die große Soundmaschine aus Hobbymusikern und Semiprofis so geschmiert, wie im elften Jahr ihres Bestehens.

   Dabei läuft sie unter der Leitung von Gerhard Ott von Jahr zu Jahr besser. Nicht zuletzt deshalb, weil der agile Bandleader immer wieder Hochkaräter wie Klaus Wagenleiter, Klaus Graf, Axel Schlosser oder den fidelen Drummer Obi Jenne an Bord holt. Mit ihnen zu spielen heißt „learning by doing“, natürlich immer verbunden mit einigen brauchbaren Ratschlägen.

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   Jene des Multimusikers aus Nürnberg müssen besonders gefruchtet haben. Selbstbewusst düsen die Bigbandjazzer von der Ostalb durch die anspruchsvollen Arrangements. Noch mehr ausgedehntere Soli, noch mehr Mut, noch mehr Spaß – noch mehr Präzision. Die Trompeten schneiden wie ein heißes Messer durch die Butter. Das Saxophonregister swingt auf Teufel komm ‘raus – und die Posaunen? Thilo Wolf, der nach der Anmoderation durch den Leiter der städtischen Musikschule und versierten Jazzposaunisten Moritz von Woellwarth ins Detail geht, hat extra für den Posaunensatz den weit über ein halbes Jahrhundert  alten Megahit „Fever“  von Peggy Lee arrangiert. Weil die Kerle mit der langen Tröte eingequetscht zwischen Trompetenglanz und Sax-Appeal quasi ein Mauerblümchendasein als Klangverstärker spielten, wie Wolf liebevoll lästert. Wie Gerald Kammerer den Klassiker dann zwischen kuscheligem Säuseln und Löwengebrüll intoniert, das lässt die Fieberkurve im Saal nach oben schießen. Als Tanja Gold-Hagel dann Stevie Wonders „I wish“ mit ihrer fantastisch souligen Stimme anstimmt, muss man ernstlich um die Gesundheit des altersmäßig sehr bunt gemischten Publikums fürchten. Das darf in der gemeinsamen Sangesrunde mit dem Musicalstar Brady Svenson als gegenseitige Liebeserklärung, „I love you“, wieder sein inneres Gleichgewicht finden. Erst recht, wenn Martin Sandel mit seinem Altsaxophon der Seele schmeichelt.

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   Die Wirkung ist jedoch nur von kurzer Dauer. Mit der sinnlichen Power, mit der Karin Ott sich in einen weiteren Titel von Stevie Wonder stürzt („Superstition“), lässt einen schon wieder nach dem Arzt rufen. Muss nicht sein. Musik ist die beste Medizin, selbst wenn sie in starken Dosen wie in der Drummer-Battle verabreicht wird, die sich Altmeister Thilo Wolf und der Jungspund Alexander Röck zu Ellingtons „Caravan“ liefern. Das jüngste Mitglied der Truppe, das sich zu deren bombensicherem rhythmischen Rückhalt gemausert hat, darf die Umarmung durch Wolf als Ritterschlag werten.

   „Freedom“, die Gospelhymne als Zugabe mit Gold-Hagel, Ott, Svenson und der Band klingt wie ein expressiver Appell. Ohne Freiheit wäre „What a wonderful world“, die Thilo Wolf zum Abschied als Vision ganz in sich gekehrt intoniert, eine Fiktion. 

Wolfgang Nußbaumer

      

        

    

   

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